Caritas Kitzingen

„Wir haben Grund zum Feiern! Etwa 200 Frauen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen haben in den vergangenen 10 Jahren unseren Internationalen Frauentreff besucht und haben bewiesen, dass ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Jede einzelne Frau ist kostbar und wertvoll und wir sind dankbar für jede Frau, die ihren Platz in Kitzingen oder an einem anderen Ort gefunden hat und für die Deutschland zu ihrer 2. Heimat geworden ist“, so Katrin Anger, bei der Begrüßung der Jubiläumsveranstaltung.

Vor 10 Jahren saßen zwei Frauen im Caritasverband Kitzingen zusammen (Marigel Wagner und Katrin Anger vom Arbeitskreis Asyl) und waren berührt von der Not vieler ausländischer Frauen, die sich in Deutschland einfach nicht heimisch fühlten - und das, obwohl einige schon mehr als 10 Jahre in Kitzingen lebten. Der Wunsch kam auf, einen Ort der Begegnung zu schaffen, wo frau sich angenommen und wertgeschätzt fühlen kann. Schon bald darauf kam noch eine dritte Frau dazu, die internationale Frauenarbeit auf dem Herzen hatte: Petra Dlugosch vom Mehrgenerationenhaus St. Elisabeth. Dort fand dann auch das erste Treffen mit 10 Frauen aus unterschiedlichen Ländern statt – der Internationale Frauentreff Kitzingen war geboren. Ein Jahr lang trafen sich die Frauen aus 14 verschiedenen Ländern (aus den Philippinen, Afghanistan, dem Iran, der Türkei, Griechenland, Brasilien, Angola, Russland, Kasachstan, der Ukraine, Vietnam, Italien, dem Kosovo und Indien) monatlich im Wintergarten des Mehrgenerationenhauses. Dann wurde der Raum dort zu klein, denn die Gruppe war inzwischen auf ca. 30 Frauen angewachsen. Astrid Glos, Leiterin des Integrationsbeirates Kitzingen, setzte sich für den IFT ein und ab 2011 trafen sich die Internationalen Frauen im Rathaus, im Herzen der Stadt Kitzingen. Immer mehr Frauen kamen dazu, bis zu 60 internationale Frauen besuchten die Treffen, bei denen sie selbst die Gastgeberinnen waren und die einzelnen Länder und kulturelle Besonderheiten vorstellten. Ab 2012 entstanden Neigungsgruppen, in denen die Frauen sich besser kennen lernen konnten und etliche Freundschaften entwickelten sich in dieser Zeit. Es gab eine Kochgruppe, eine Kleingruppe „Sprache und Wissenswertes“, eine Tanzgruppe, einen Bastel- und Kreativkreis, einen Lauf-Treff und die „Internationale Mutter-Kind-Gruppe“ wurde eröffnet. Im größeren Kreis traf man sich fortan 4 Mal im Jahr, nämlich zum Noruzfest im Frühling, zum Sommertreff, Herbstfest und Wintertreffen. Die internationalen Frauen nahmen am ersten Nachbarschaftsfest und am Fest der Kulturen teil und beteiligten sich in den Folgejahren mit einem Info- und Verkaufsstand an den jeweiligen Festen. Stück für Stück wurden die Frauen „ein Teil von Kitzingen“ und nahmen ihren Platz ein.
Das lief so bis zum Jubiläumsjahr 2020. Corona bedingt musste zum ersten Mal das Noruzfest und das Sommertreffen ausfallen und das Fest der Kulturen wurde abgesagt. „Können wir in diesem Jahr überhaupt unser 10jähriges feiern“, fragte sich das Leitungsteam mit der Iranerin Mahin Benam, der Italienerin Rosa Martinos, Heidi Kraus und Ursula Richter, als sie sich Ende Juni 2020 wieder treffen konnten. Der Beschluss wurde gefasst das Fest vorzubereiten, ohne zu wissen, ob es im Herbst auch stattfinden könne. Ein großer Wunsch der ganzen Gruppe war, dass die Gründerfrau, Marigel Wagner, beim Jubiläum dabei sein könne. Doch diese saß seit Mai 2020 auf den Philippinen fest und sämtliche Flüge nach Deutschland wurden storniert.
Feiern mit Abstand und mit Masken, das passte so gar nicht zum Internationalen Frauentreff, wo die Frauen sich immer sehr herzlich umarmt und einen Kuss auf die Wange gedrückt hatten. Immer wieder mussten die Vorbereitungen an die jeweilig geltenden Corona-Regeln angepasst werden: So konnte die Feier nicht, wie geplant im Keller des Rathauses Kitzingen stattfinden und das so beliebte Mitbring-Buffet war auch in der bisherigen Form nicht möglich. Dankenswerter Weise stellte die Evangelische Stadtkirche das Paul-Eber-Haus für das Jubiläum zur Verfügung.

Dann war der große Tag da und zur Überraschung aller kam auch Marigel Wagner zum Fest. Die Feier begann mit einem Willkommenslied der Veeh-Harfen-Gruppe unter der Leitung von Sigrid Schäfer. Ein buntes Programm erwartete die Gäste: Voller Spannung verfolgten die 40 Zuschauer das Märchenspiel „Kolobok, der Stachelrock“ der Internationalen Mutter-Kind-Gruppe geleitet von Olga Kimbel. Petra Dlugosch und Katrin Anger luden zu einem virtuellen Rückblick der vergangenen 10 Jahre ein. Und Eva Virué aus Argentinien, die viele Jahre die Geschenkgruppe und Internationale Mutter-Kind-Gruppe geleitet hatte, stellte zusammen mit ihrer Kollegin Sonja Huber den Familienstützpunkt Wiesentheid und Kitzingen vor. Viel Raum hatten drei Frauen aus der Runde, die von ihrem Leben und ihren Erfahrungen als „internationale Frauen“ erzählten: Maruschka Hofmann-Sircelj aus Slowenien (75 Jahre alt), die sich seit vielen Jahrzehnten für ausländische Mitbürger und besonders für Frauen einsetzt und Safiye Klein, die seit Jahren die „Geschenkgruppe“ in der Schule leitet und die Kindergarten-Geschenkgruppe übernommen hatte.
Am Ende sprach Marigel Wagner, die in den vergangenen Jahren in England studiert hat, auf den Philippinen ihre Doktorarbeit geschrieben und danach viele andere Länder bereist hat, zu den Gästen: Sie erzählte von ihrer Zeit in Deutschland, in der es ihr schwergefallen ist, sich zu integrieren, in der sie oft geweint hat, weil sie ihre Heimat so sehr vermisst hat. Sie vertraute den Zuhörern ihre „Lebens-Brüche“ an, aber auch, wie sie lernte mit den Stolpersteinen umzugehen. Heute ist sie überall auf der Welt zu Hause, weil sie sich von ihrem Schöpfer getragen fühlt und ihre „himmlische Heimat“ im Herzen trägt.
In einem Gedicht drückt sie aus: „Sozialer Abstand als Regeln und Masken tragen, es muss wohl jetzt sein! Aber nichts kann den Jubel in unseren Herzen trüben, keine Pandemie uns die Freude nehmen, geschwisterlich vereint zu sein, eins zu sein trotz aller Unterschiedlichkeit wie ein bunter Blumenstrauß in der Hand des Meisters.“
Viel Applaus erhielt die Veeh-Harfen-Gruppe, die Ursula Richter mitgebracht hatte, für die musikalische Gestaltung, die zwischendurch zum Innehalten und zum Nachklingen des Gehörten einlud.
Am Ende gab Gerda Schuster den Gästen ein ganz besonderes Gedicht zum Thema „Frieden“ mit auf den Weg und mit dem letzten Musikstück „Die Taube“ klang das wunderbare Fest aus.

Der Arbeitskreis Asyl hat den Internationalen Frauentreff mit initiiert und ist auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Unterstützung unter dem Stichwort „Arbeitskreis Asyl“, VR Bank Kitzingen e.G
IBAN: DE33 7919 0000 0101 913310.
Vielen Dank!

 

­